Ausgangsposition ist also eine Haltung, die davon ausgeht, dass alles so seine Richtigkeit hat, wir dies nur erst erkennen und verstehen müssen. Ist die bestehende Situation erkannt und gewürdigt, öffnen sich Türen. Wir holen einander da ab, wo wir sind. Wir wollen weniger bessere Menschen oder Bedingungen schaffen, sondern eher dem Potenzial in jedem von uns den Weg bereiten. Diese feine Unterscheidung spielt bei Veränderung eine große Rolle.
Das Schöpferische entfaltet
sich nach der Anerkennung des Status Quo. Dann durch die mutige
absichtslose Begegnung mit uns selbst, dem anderen, unseren Inhalten. Unseren
Grenzen und Offenheiten. Es soll Freude schenken, es soll Spaß machen. Leben
ist eine aufregende Reise.
Kreativen Impulsen folgen, Lebendigkeit spüren, erfahren mit allen Sinnen, mit
jeder Zelle. Das soll der offene Raum uns bieten.
Unsere Moderation und Methodik
ergibt sich aus dem Geschehen und entsprechend den Bedürfnissen der Teilnehmer,
wir wollen kein vorgefertigtes Konzept. Dieser Raum, der unsere schöpferischen
Kräfte offenbart, erfordert große Präsenz. Auch Mut und Ausdauer. Auch die
Geduld, schwierige zähe Momente liebevoll mit sich selbst und anderen
durchzustehen.
Das ist der Grund, weshalb wir Dir nicht genau sagen können, was Dich erwartet. Weshalb Konzepte, Moderation und Programm eine sekundäre Rolle spielen; auch unsere Leitung.
Es ist beeindruckend, was geschehen kann, wenn die Fixierung auf ein Leittier, einen Lehrer, Therapeuten, Animateur, einen Guru oder sonstiges wegfällt, und der Mensch sich auf sein ureigenes Potential besinnt. Wir wagen uns in einen leeren Raum von nicht wissen, nicht wollen … wir lauschen und warten, was sich uns zeigen will: ein Aufstellungsanliegen, eine emotionale Arbeit, eine Runde, etwas Körperorientiertes, ein spontanes Theaterspiel, eine genussvolle Massage … Stille …
Wir befassen uns auch intensiv mit dem Thema Sexualität und Begehren, da sexuelle Energie die grundlegende treibende Kraft unseres Lebens ist und hier unsere angelernten Verhaltensmuster oft am stärksten zur Geltung kommen.
Das bedeutet nicht, dass wir
etwas wild ausleben. Es bedeutet, wir holen das Thema ans Licht, ohne es
mechanisch und süchtig zu befriedigen. Ohne Schwülstigkeit, ohne wahlloses
Ausagieren, aber mit allen Sinnen.„Spiritualität beginnt im Becken“ (Samuel
Widmer) drückt aus, wie sehr die sexuelle Energie in allem Lebendigem wirkt.
Und wie sehr eine unerlöste Triebkraft uns am Fortschritt hemmt. Tiefe
erfüllende Intimität ist, wonach sich die meisten Menschen verzehren und nicht
mehr wissen, wie sie dazu kommen können. Inwieweit Liebe, Sexualität und alle
anderen Gefühle miteinander verbunden sind und einander bedingen, können wir in
einem geschützten Rahmen erforschen.
"Geschützter Raum" heißt in diesem Zusammenhang, dass wir spielerisch unsere Grenzen erforschen, gleichzeitig lernen, Grenzen zu setzen und dass die Gruppe diese gesetzten Grenzen bereitwillig akzeptiert. Somit ist das Seminar auch eine Schulung in Selbstwertschätzung und Selbstbehauptung gegenüber - vermeintlichen - Erwartungen anderer an uns. Tantra in diesem Sinne ist bewusstes Wahrnehmen, kein Ausagieren.
Wir werden auch dem Kind in uns Raum geben, indem wir durch Spiele und Spaß miteinander in Kontakt kommen und auch immer wieder leichte Elemente einfließen lassen, die ihre eigene heilende Wirkung entfalten, indem sie die Seele durchatmen lassen. Spiel und Spaß ergeben sich aus einem lebendigen Miteinander, wo nichts versteckt oder verleugnet werden muss.
